Wider die Hybris

Wider die Hybris

FIFA-Präsident Joseph Blatter gibt ein besonders anschauliches Studienobjekt für Größenwahn, Narzismus und Lebendnekrose.

Trotz vorheriger Ankündigung, nicht mehr zu kandidieren, strebt er nun in Brasilien seine fünfte Amtszeit an. Wie so viele Potentaten vor ihm hält er für sich für unberührbar, unübertrefflich und verfault dabei moralisch am eigenen Leibe.

Offenbar sind Menschen in Machtpositionen besonders gefährdet. Vorbeugung tut not – und ist möglich. Die Liechtensteiner Hilti AG macht es vor: Mitglieder des Vorstands scheiden mit 56 Jahren aus ihrer Funktion aus. Ohne Ausnahme.

Ein weiteres bemerkenswertes Vorbild: Papst Benedikt. Er war damit das erste Kirchenoberhaupt seit über 500 Jahren, das den Mut zu diesem Schritt hatte.

In den USA endet die Amtszeit Präsidenten nach Jahren, gerade in Fällen von George W. Bush und wohl auch Barack Obama erkennen wir, wie weise die amerikanischen Gründerväter mit dieser Regel waren. Eine eher komische Nummer dagegen war das Wechselspielchen von Russlands Dauerpräsident Putin mit seinem Medwedjew.

Wahre Größe zeigt, wer nicht nur seinen Karrierehöhepunkt, sondern auch die Zeit danach mit Weitblick und Demut im Blick hat. Und Organisationen sollten im Kampf wider die Hybris ihre Chefetage gar nicht erst in Versuchung führen; sollten noch stärker als bisher die Ausübung von Macht in ihrer Fülle und Dauer begrenzen.