Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen – 111 Mißverständnisse aufgeklärt 2

Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen – 111 Mißverständnisse aufgeklärt 2

Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen. Helmut Schmidt hat sein Zitat längst „als eine pampige Antwort auf eine dusselige Reporterfrage“ bereut, doch es wirkt bis heute fort. Immer wieder wird es von Führungskräften wiedergekäut, die sich im Tagesgeschäft verzetteln, anstatt ihr Unternehmen für die Zukunft auszurichten.

Heute zeigt sich eher: Wer keine Visionen hat, macht krank.

Die Zahlen zeigen das deutlich. Die Anzahl von Arbeitsunfähigkeitstagen aufgrund psychischer Erkrankungen hat sich in den letzten 15 Jahren verdreifacht.  Vereinfacht gesagt, Burnout ist in der Zwischenzeit die zweithäufigste Krankheitsursache.

Der jährlich erhobene Gallup-Engagement-Index zeigt für 2012/13, dass ein Viertel der Mitarbeiter keine Bindung mehr zu ihrem Unternehmen haben, hochmotiviert sind dagegen nur 15%. Der Rest dazwischen macht Dienst nach Vorschrift.

Was Mitarbeitern zur Motivation wichtig ist:

  1. Offene und authentische Kommunikation
  2. Die Orientierung an gemeinsamen Werten
  3. Klarheit über die Strategie des Unternehmens

Das zeigt die Global Workforce-Studie von Towers Perrin.

Ganz deutlich: In allem, was den Mitarbeitern wichtig ist, erhält das Management dort bestenfalls mittelmäßige Noten.

Es liegt also einiges im Argen.

Allzu verwunderlich ist es nicht, hört man über die Jahre doch des öfteren Aussagen der Unternehmensführung wie: „Strategie – verstehen unsere Mitarbeiter doch eh nichts von“. Oder auch: „Unsere Vision muss geheim bleiben, sonst werden wir kopiert“ …

Nur, wenn eine Unternehmensleitung ihre Strategie ihren Mitarbeitern nicht verständlich machen kann, dann hat sie sie wohl selbst noch nicht recht verstanden (frei nach Schopenhauer). Und eine Vision, die so leicht zu kopieren ist, dass sie keiner erfahren darf, ist wohl eher das Papier nicht wert, auf das man sie schreiben müsste.

Eine Vision und die passende Strategien sollen der Komplexität des Wettbewerbs gerecht werden und doch mit einfachen Worten begeisternd zu vermitteln sein. Erfolg hat, wer ungewöhnliche Strategien entwickelt und sie mit gewöhnlichen Worten vermittelt (wiederum nach Schopenhauer).

Übrigens auch oberhalb der Unternehmensebene brauchen wir dringend eine integrierende Vision. Wenn wir in Deutschland im demographischen Wandel mit weniger Erwerbstätigen mehr erreichen wollen, um unseren Wohlstand aufrechtzuerhalten, dann brauchen wir gesellschaftliche Leitgedanken und Ziele, die uns inspirieren.