Weid – weißer Neid

Weid – weißer Neid

Der Neid gilt dem Katholizismus als Todsünde und ist zugleich eine wichtige Triebfeder für Entwicklung und Fortschritt. Trotz dieser Ambivalenz ist der Begriff nur negativ besetzt.

Das psychologische Phänomen, dass Menschen ein geringeres Vermögen oder Einkommen akzeptieren, solange das der Nachbarn oder Kollegen niedriger anstatt höher ist, verdeutlicht die negative Kraft des Neids.

Doch gibt es nicht auch den positiven Neid, der der Bewunderung entspringt. Etwas auch können oder haben zu wollen, ohne dass der andere die beneidete Fähigkeiten oder Besitztümer aufgeben muss?

Ohne entsprechendes Wort greift das gedankliche Konzept zu kurz, ein bestimmter Gedanke soll mit einem bestimmten Wort zu bezeichnen sein. Im russischen gibt es den Begriff des „weißen Neids“, des Neids im Guten.

Zumal derzeit ansonsten wenig Gutes aus Russland zu kommen scheint, schlage ich vor, auch im Deutschen vom weißen Neid zu sprechen, oder in kurz, vielleicht einfach von „Weid“, anstatt Neid. Der weiße Neid bezeichnet den positiven Wunsch, Errungenschaften eines anderen auch  selbst, aus eigener Kraft, zu erreichen.