Spätlese zur Hannover Messe – Von Industrie 4.0 zu Management 4.0

Spätlese zur Hannover Messe – Von Industrie 4.0 zu Management 4.0

Per Vortrag auf dem HR- und Recruiting-Part der Hannover Messe hatte ich das Vergnügen, die Leistungsschau der Spitzenindustrie gekreuzt mit Robotik und IT zu bewundern.* Kurz: als Laie eine faszinierende Vorahnung und ein etwas besseres Gefühl für die „vierte industrielle Revolution“ zu erhalten.

Da ich vermute, dass Roboter in Zukunft doch deutlich mehr können werden als Kaffee kochen, Zitronen auspressen oder staubsaugen u n d putzen – was allein schon spannend anzuschauen ist – wird sich der Begriff von Arbeit für uns Menschen erheblich verändern.

Menschen werden in Konsequenz immer weniger in der Produktion selbst sein, sondern diese planen, steuern und pflegen. Ein zusätzliches, gesellschaftliches Thema wird sein, was dies für Niedrigqualifizierte bedeutet. Hier geht es mir aber um Management und Leadership. Diese Größen haben sich fundamental mit jedem Schritt der industriellen Revolution verändert.

Während sich der Trend durch die Einführung von Fließbandproduktion und Scientific Management allerdings gen Standardisierung und in Folge Monotonie entwickelte, geht es nun in die umgekehrte Richtung: Customizing, Flexibilisierung, Kleinserien, smarte Produktionsteuerung hochgradig vernetzter Supply / Value Chain-Systeme – und vielleicht dann bald auch Assistenz durch künstliche Intelligenz.

Vermutlich wird die Wirtschaft dadurch noch arbeitsteiliger und die Qualifikation des Einzelnen noch Spezieller, die Teams werden größer und die Leistungsstrukturen komplexer. Zwar wird es da noch Leitfiguren geben, die Grundsatzentscheidungen treffen und die Richtung vorgeben, aber zumindest im Operativen ist es schwer vorstellbar, dass klassische Hierarchien, Führungstechniken und -stile noch eine Zukunft haben werden.

Ob schlichte Demokratisierung, Self Managed Teams und Partizipation da aber schon das Ende der Fahnenstange sein werden, ist fraglich. In meinem Vortrag „Accelerating Change“ ging es deshalb schon stark in Richtung Agilität und Scrum – neue Managementansätze interpretiert aus der IT-Entwicklung, die aber auch nicht der Weisheit letzter Schluss sein müssen.

Meine Kernthese aber war und ist: „Klassische“ und digitale Industrie konkurrieren und verschmelzen miteinander. Deshalb: die traditionellen Unternehmen müssen lernen, wie sie in punkto Tempo, Wendigkeit und  Innovationskraft der neuen Angreifer und Management-Ikonen mithalten können. Google & Co dagegen müssen erst noch lernen, wie sie effizient und verlässlich Qualität nicht nur immateriell, sondern mit konkreten Produkten bieten können. Industrie 4.0 bedingt deshalb Management 4.0. Da wir aber erst am Anfang des Ganzen stehen, ist es schwer zu prognostizieren, wie genau die Managementlösungen aussehen werden.

 

* Außerdem hatte ich großes Amusement, vom Südeingang der Hannover Messe komplett außen herum zum Nordeingang laufen zu müssen, um pünktlich zu meiner Keynote zu kommen, da sämtliche dazwischen liegenden Hallen zur Sicherheit von Barack Obama gesperrt waren. Dank Wintereinbruch im April bei knapp über 0 Grad Celsius … Ich vermute, für keinen anderen Staatschef der Welt muss ein größerer Aufwand betrieben werden. Vielleicht etwas, dass die Verantwortlichen der amerikanischen Außen- und Sicherheitspolitik einmal  bedenken sollten.

Leif Erik Wollenweber ist Wirtschaftsphilosoph mit einem Faible für die Vernetzung der Themen Strategie, Politik, Leadership und Change. Als Sozial- und Politikwissenschaftler unterrichtet er Fächer der Business Administration an der FOM Hochschule für Oekonomie und Management und der Hogeschool Venlo. Als unorthodoxer Ratgeber findet Leif Erik Wollenweber effektive Lösungen für Strategie- und Managementprobleme. Von seinen Kunden besonders gefragt ist seine Fähigkeit zur Vermittlung von strategischem und unternehmerischem Denken. Seine Kompetenz basiert auf seiner mehrjährigen Führungserfahrung, vielfältigen Branchenkenntnissen, seinem interdisziplinären Fachwissen als Managementforscher und seiner seit 2009 erfolgreichen Tätigkeit als Unternehmensberater und Business Trainer.