Sokrates 2.0

Das vielleicht bekannteste, Sokrates zugeschriebene Zitat lautet: „Ich weiß, dass ich nicht weiß“. Erweitert werden könnte es, je mehr ich weiß, desto mehr weiß ich, was ich nicht weiß.

Im 21. Jahrhundert erreicht dieser sokratische Gedanke größte Bedeutung. Das Wissen der Menschheit hat sich in den letzten Jahrhunderten mehrfach verdoppelt. Inzwischen erreichen wir Abstände von Jahrzehnten oder wenigen Jahren. Relativ wissen wir also immer weniger.

Hinzu kommen Phänomene des Digitalzeitalters. Die Generation Y sieht schon gar nicht mehr die Notwendigkeit (selbst) zu wissen, sondern entwickelt sich zu freiwilligen Mensch-Maschine-Hybriden: Mit dem Laptop/Tablet/Smartphone in der Hand reicht es ja aus, wahlweise auf Wikipedia nachzuschauen oder im Chat mit den Freunden die Grenzen der Schwarmintelligenz auszuloten.

Die Bedeutung des Wissens wird also – bestenfalls – durch die Intelligenz ersetzt. Was immer genau das sei. Der Flynn-Effekt zeigt, dass seit dem 20 Jahrhundert jede Generation ca. 5 – 25 IQ-Punkte intelligenter ist als die vorherige. Nur, was nutzt mir die Intelligenz, wenn Sie sich auf keine Substanz richtet, da diese auf elektronische Anbauteile (wann gibt den iHuman, den USB-Port zum Rückenmark, à la Matrix?) vertrauen?

Steve Jobs nannte „Connecting the dots“ als die Quelle und Basis seines Erfolgs. So phantastisch die Möglichkeiten des Internets sind, noch sind unsere Gehirn Computern überlegen, wenn Substanz und IQ zusammentreffen. Wenn Menschen noch in der Lage sind, kritisch zu denken und Wahrheit von Ersponnenem, Enten und Hoaxes zu unterscheiden. Wenn wir nicht zu reinen Rezipienten werden, sondern selbst Wissenschaffende bleiben. Darin liegt das enorme Potential kommender Generationen. Wenn sie sie zu heben wissen.

Sokrates 2.0: Nicht auf das Wissen selbst kommt es an, sondern auf die besondere Fähigkeit des Menschen, es immer zu Neuem zu verknüpfen.