Querdenker-Schizophrenie

Querdenker-Schizophrenie

Entscheider, die in ihrem Unternehmen den Wandel anstoßen wollen, suchen oft frisches Blut, jemand, der neue Ideen einbringt, Althergebrachtes hinterfragt, kreative Unruhe verursacht, eingefahrene Wege verlässt, an zementierten Hierarchien rüttelt. Also müssen Querdenker her.

Nötig ist das in nahezu allen Betrieben, zu schnelllebig, volatil und unberechenbar-diffus sind Märkte und Politik geworden. Freilich hat auch das Bewährte seinen Wert und selten muss es gleich eine Revolution sein.
Doch die Realität ist meist weit davon entfernt, dass neue Kräfte von innen groß etwas bewirken könnten.
Zu groß sind die Beharrungskräfte, zu stark die Lobby der (Ewig)Gestrigen, zu mächtig sind die Besitzstandswahrer.
Schnell wird da aus dem Querdenker und Hoffnungsträger der Querulant und Versager.

Der Fehler wird dann in der Personalie gesucht – er/sie war dann ein „Ikarus“, als Tiger gesprungen, als Bettvorleger gelandet. Oder der Personalberater war schuld, hat „schlechte Qualität“ geliefert.

Vermutlich hat aber in einem solchen Betrieb niemand auch nur den Hauch einer Chance, der nicht von vorneherein die volle, ausdrückliche und permanente Unterstützung des Vorstandsvorsitzenden genießt. Oder, wenn es sich bei dem Querdenker um den Vorstand selbst handelt, der Aufsichtsrat ihn mit allen erforderlichen Kompetenzen ausstattet.

Hier liegt dann der Hase im Pfeffer. Der Neue wird – nicht selten noch für teures Geld – geholt, und dann – ohne Unterstützung, ohne Schutz vor den Angriffen und oft sogar Intrigen der Gesternverteidiger mutterseelenallein gelassen.

Wer eine Spitzenkraft holt, um Wandel anzustoßen, viel investiert und Großes erwartet – und diese dann mit ihrer Herkulesaufgabe verhungern lässt, verheizt einen Menschen. Und erreicht für sein Unternehmen nichts, sondern verliert nur wertvolle Zeit.

Diese Konstellation ist weder sonderlich neu oder komplex – kommt aber so häufig vor, dass es eher die Regel ist als die Ausnahme. Wer dies sehenden Auges verantwortet, handelt schizophren. Oder, mit Shakespeare: „Ist dies schon Wahnsinn, so hat es Methode“.

Merke: wer Wandel will, wird Widerstand erfahren. Und wer einen Agenten beauftragt, den Wandel voranzutreiben, der muss ihm die Mittel geben, dies zu erreichen.

Was wäre James Bond ohne die Lizenz zum Töten?