Provokation

Mal ehrlich, wer kennt das nicht? Wir erhalten einen Rat, wissen irgendwo genau, dass richtig ist, was uns gesagt wird, eigentlich ist es uns schon lange klar. Und machen es dann doch nicht. Nein, erstaunlich oft tun wir oft sogar das genaue Gegenteil.

Warum ist das so? Für unser Selbstbewusstsein, unser Selbstbild, unsere Selbstbehauptung ist es entscheidend, uns unabhängig zu entscheiden. Tun wir, was uns ein anderer sagt, mag er recht haben wie er will, folgen wir einem fremden Willen. So erscheint es uns zumindest, und gegen diesen Verdacht wehren wir uns, koste was es wolle.

Ziemlich verrückt und vertrackt? Nur, wie anders ist das Phänomen zu verstehen, dass Ratgeber, Trainer und Coachs nur allzu gut kennen: ein guter Rat kann noch so durchdacht, präzise, dringlich und einfühlsam gegeben worden sein – über die Chancen für die Umsetzung bedeutet das oft so gut wie nichts. Ziemlich frustrierend.

So überraschend, kontraintuitiv und verwirrend es für den Ratgeber sein mag: Ins uns sitzt die Lust, wider den Stachel zu löcken. Das nutzt der Provokateur. Er fordert das Falsche, getan wird das Richtige!

Zugegeben, ein Problem gibt es: Erkennt der Ratsuchende nicht die gute Absicht, ist die Mission erfüllt und die Beziehung ruiniert. Aber alles hat eben seinen Preis.

Probieren Sie es aus! Will etwa jemand aus Ihrem Bekanntenkreis abnehmen oder aufhören zu rauchen, wetten Sie, dass Sie es nicht klappt. Sie werden sich wundern!

Widerspricht dies Ihrer Ethik, Ihrer Professionalität und Ihrem Coaching-Verständnis. Dann lassen Sie es. Sie sollten es noch nicht einmal probieren. Es kann nur schiefgehen!

Schließlich: Einem anderen zu helfen ist das Risiko auf keinen Fall wert, es sich mit ihm verscherzen.