"Marketing machen" – 111 Mißverständnisse aufgeklärt 6

"Marketing machen" – 111 Mißverständnisse aufgeklärt 6

„Da müssen wir mal was Marketing machen“, „Marketing, brauchen wir nicht“ oder „Marketing, das ist doch der Tinnef mit Flyern, Aufklebern und Broschüren“. Das ist immer wieder zu hören von Handwerkern, Kleinunternehmen, Freiberuflern und bisweilen mittelständischen Unternehmern.

Was passiert da? Marketing wird regelmäßig gleichgesetzt mit Werbung, besser noch: Reklame. Das „mit den Fähnchen“. Dieses Missverständnis, dieser Irrglaube ist nicht nur ein semantischer Fehler, sondern hat tiefgreifend negative unternehmerische Konsequenzen.

Wer die Funktion des Marketing nicht begreift, verfügt über keine aktuelle und methodische Marktanalyse. Es fehlen Marktstrategie und Positionierung, auch eine Idee von der Marktentwicklung. Es mangelt an der Überlegung, ob das Geschäftsmodell auch morgen noch zukunftstauglich ist und ob nicht auf anderen Geschäftsfeldern als den angestammten erheblich größere Chancen zu realisieren sind.

Marketing zu machen bedeutet also den Markt zu analysieren, die Unternehmens- und Marketingstrategie zu formulieren und darauf basierend das operative Marketing zu planen, die Marketinginstrumente aufeinander abzustimmen.

Diese werden zumindest in vier Instrumente unterschieden, die „4 P“:

1. Product – welches Produkt biete ich an? Welche Eigenschaften? Welche Produktpalette?

2. Price – zu welchen Kosten, zu welchem Preis, für welche Zielgruppe, welches Budget?

3. Place – wo bieten wir das Produkt an und wie vertreiben wir es? Per Vertriebler, stationär oder im Internet? Multi- oder Omnichannel?

4. Promotion – wie wird die Kommunikationspolitik gestaltet, die Werbung und Mediaplanung?

Also macht die Werbung nur einen kleinen Teil des gesamten Marketing aus. Marketinglehrbücher haben in der Regel gut 800 Seiten, da passt eine Menge rein als nur der Teil zur Kommunikationspolitik.

Übrigens sollten noch weitere „3 P“ bedacht werden, da die meisten Unternehmen auch Dienstleistungen in ihrem Leistungspaket haben. Insgesamt sind es also „7 P“ mit denen Unternehmen sich im Wettbewerb spürbar differenzieren können:

5. People – welche Mitarbeiter stelle ich ein, wie sehen diese aus, wie sind sie qualifiziert, was wird ihnen gezahlt?

6. Physical Facilities – wie sind meine Räume, meine Einrichtungen gestalten? Wie erlebt der Kunde mein Unternehmen?

7. Processes – wie schlank, effizient und kundenorientiert sind meine Abläufe?

Achten Sie demnächst mal drauf, was genau jemand meint, wenn er von „Marketing machen“ spricht. Sie können es sich ja überlegen, ob Sie etwas sagen – insbesondere, wenn es ein Konkurrent ist …