Grexit: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende

Grexit: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende

Mir ist völlig schleierhaft – einmal fernab jeglicher feinpolitischer und diplomatischer Ziselierungen – warum für Deutschland das griechische Referendum noch eine Rolle spielt.

Die Griechen stimmen ja nicht darüber ab, ob sie im Euro bleiben oder nicht, sondern ob sie die Reformen haben wollen oder nicht. Das ist doch „Wasch mich, aber mach mich nicht nass in Reinkultur“. Wenn die Tsipras-Show eine TV-Sendung wäre, dann würde selbst Charlie Sheen sich schämen und RTL II das Ganze im Spätprogramm bringen. Ich hätte da längst ausgeschaltet.

Genau das wünsche ich mir auch schon – sehr! lange – von unserer Bundesregierung. Wie lange kann man denn den Molly mit sich machen und sich auf der Nase herumtanzen lassen?

Dabei kann jeder Sirtaki tanzen so lange, wild und oft er will – aber weder mit mir noch mit meinem Geld. Denn darauf läuft die Chose doch hinaus. Die Bundeskanzlerin, ihre Regierung und ihr willfähriges, oppositionsloses Parlament repräsentieren uns ja nur. Wenn wir Deutsche Griechenland Geld leihen, sehenden Auges, dass das Land seit Jahren schon schwebend pleite ist, eine Engelsgeduld zeigen, was das dortige Reformelend angeht, wir munter eingeworfen Reparationszahlungen leisten sollen für Dinge, die längst tot und begraben sind und wir für das Ganze, als Sahnehäubchen obenauf, noch beschimpft werden (recht phantasielos stets als Nationalsozialisten), ja dann kann es doch keinen wundern, wenn das emotional nicht folgenlos bleibt. Vielmehr ist erstaunlich, wie ruhig der deutsche Michel da bleibt. Zeige man mir bitte ein anderes Volk der Welt (außer vielleicht den Finnen, die sind irgendwie naturstoisch), das da auch nur annähernd so ruhig bliebe wie wir Deutschen.

Irgendwann ist aber die Grenze von „besonnen und nachsichtig“ zu „dumm und doof“ überschritten. Meine Schmerztoleranz hatte die griechische Regierung schon spätestens 2014 überschritten, da war die Schmierenkomödianten-Truppe von Tsipras, Varoufuckfingeris & Co noch gar nicht im Amt. Deshalb ist bei mir Matthäus am allerletzten.

Natürlich gilt mein Zorn der griechischen Politik, ihrer politischen Kaste. Der einzelne Grieche, so wie ich ihn bisher kennengelernt habe, ist meist vor allem: nett. Und intelligent. Das ist der eine Grund, warum wir dieses Jahr auch wieder nach Griechenland fahren. Der andere: vielleicht können wir ja mit der Drachme günstig shoppen. Denn das ist ja der viel zu wenig diskutierte Sinn einer Währungsabwertung: ein Land wieder wettbewerbsfähig zu machen. Die Währung eines Landes darf immer nur so stark sein wie seine Wirtschaft.

Deshalb: Lasst uns, Griechen, Deutsche, Euroländler, uns einen Gefallen tun – Griechenland geht in die geordnete Insolvenz, scheidet aus dem Euro aus, seine Wirtschaft wird wieder wettbewerbsfähig, Menschen finden wieder Arbeit und wenn alles seinen Gut Gang genommen hat, kommt es vielleicht wieder zurück in den Euro.

In Wirklichkeit ist der Schrecken eines Euro-Austritts und einer Staatspleite gar nicht so groß. Einige Staaten, wie Argentinien, haben da sogar einige Routine und machen das, gefühlt, alle 10 Jahre. Das meine übrigens nicht nur ich, sondern Hans Werner Sinn. Viel wichtiger noch: wer auf dem falschen Weg ist, soll umkehren, und nicht mit noch mehr Entschlossenheit weitergehen. Und das meinte erneut nicht ich, sondern Lao Tse. Vor über 2.600 Jahren. Könnte also was dran sein.

Leif Erik Wollenweber ist Wirtschaftsphilosoph mit einem Faible für die Vernetzung der Themen Strategie, Politik, Leadership und Change. Als Sozial- und Politikwissenschaftler unterrichtet er Fächer der Business Administration an der FOM Hochschule für Oekonomie und Management und der Hogeschool Venlo. Als unorthodoxer Ratgeber findet Leif Erik Wollenweber effektive Lösungen für Strategie- und Managementprobleme. Von seinen Kunden besonders gefragt ist seine Fähigkeit zur Vermittlung von strategischem und unternehmerischem Denken. Seine Kompetenz basiert auf seiner mehrjährigen Führungserfahrung, vielfältigen Branchenkenntnissen, seinem interdisziplinären Fachwissen als Managementforscher und seiner seit 2009 erfolgreichen Tätigkeit als Unternehmensberater und Business Trainer.

2 Kommentare

  1. Rafael Zur 2 Jahren vor

    Ein guter Artikel und in weiten Teilen würde ich zustimmen. Gebt Griechenland die Chance sich zu erholen. Die Einführung einer eigenen Währung wäre hierfür eine sinnvolle Lösung. Es geht schon lange nicht mehr darum, ob Sie uns je die Schulden zurückzahlen können, sondern vielmehr um politische Machtspiele und teilweise nur um Interessen von einzelnen Lobbys. Somit sehe ich kein Versagen der griechischen Regierung, sondern vielmehr unserer Regierung, der EU und EZB, welche kein Schlussstrich ziehen wollen. Am Ende verliert keiner der Politiker und Millionäre eines Landes sein Gesicht oder gar sein Geld…es ist der Mittelstand und die immer ärmer werdende Bevölkerung in Griechenland, anderen europäischen Ländern und in unserem eigenen Land, die letztendlich darunter leidet.

  2. Thomas 2 Jahren vor

    Ein sehr informativer Artikel mit ganz wichtigen Informationen. Hier muss es jetzt endlich zu einer Enscheidung kommen und zudem sollte darüber nachgedacht werden, was sich in Zukunft ändern muss, damit kein weiteres EU Land in eine solche Situation gerät, denn im Grunde kann es jeden treffen.

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