Der 1. Mai als Tag der Reform

Der 1. Mai als Tag der Reform

Der Tag der Arbeit als arbeitsfreier Tag wäre für einen Fremden verwirrend. Doch wir sind ja gewöhnt, mit Widersprüchen zu leben. So besteht der Feiertag durchgehend seit seiner Einführung durch das Dritte Reich im Jahr 1934.

Doch dieses belastete historische Erbe kann rasch aufgelöst werden, hat der 1. Mai seine Ursprünge doch in der amerikanischen Arbeiterbewegung des späten 19. Jahrhunderts. In dieser Zeit hatte der Tag in dieser Form sicher noch eine Existenzberechtigung, mussten die Arbeiter doch häufig noch sechs Tage die Woche, bis zu 12 Stunden am Tag schuften. Von einer veritablen Arbeiterklasse kann man dann vielleicht noch bis in die 1970er oder 1980er Jahre sprechen.

Heute sieht das anders aus. Deshalb nun eine Neuinterpretation des 1. Mai: Inzwischen ist das Problem nicht mehr die Härte der Arbeit oder der Mangel an Freizeit. Was die Menschen bewegt, ist zunächst vielleicht die bange Frage, ob ihr Arbeitsplatz noch sicher ist. Vermutlich noch mehr Menschen empfinden allerdings das „Wie“ ihrer Arbeit oftmals als belastend.

Immer höherer Zeitdruck, sinnentleerte Vorschriften, standardisierte, verblödend fixe Arbeitsabläufe, die Unübersichtlichkeit und Verunsicherung durch die Effekte der Globalisierung, unqualifizierte Führung, kaum Möglichkeiten, die eigenen Fähigkeiten und Ideen kreativ einbringen zu können, schlechterdings, das Gefühl im Hamsterrad zu stecken kennzeichnen den Arbeitsalltag vieler Arbeitnehmer.

Was soll da ein freier Tag mehr oder weniger bringen? Zumal wenn dieser dann noch auf ein Wochenende fällt? Was hilft es, wenn es danach so weiter geht wie zuvor?

Der Vorschlag für einen „Neuen Deal“: Der 1. Mai bleibt Feiertag, aber es wird gearbeitet. Und zwar im Betrieb an der Verbesserung der Arbeit und des Unternehmens. Die Mitarbeiter kommen zur Arbeit, erhalten aber mindestens diesen Tag zur Verfügung, ausschließlich Arbeitsabläufe, Arbeitsinhalte, Strategien, Führungsweisen, Projekte, einfach alles, was ihre Arbeit betrifft auf den Prüfstand zu stellen, Verbesserungsvorschläge zu entwickeln und diese intensiv, ergebnisoffen und unmittelbar mit der Unternehmensführung zu besprechen.

Der 1. Mai als Tag der Reform.

Wie heißt es so schön? Alles neu macht der Mai!