Brexit – Chancen für Unternehmen und Arbeitnehmer

Brexit – Chancen für Unternehmen und Arbeitnehmer

Der gedankliche Sprung vom Brexit zum Personalmanagement drängt sich vielleicht noch nicht auf. Doch wird es unweigerlich eine deutliche Umorientierung von Investitionen und außereuropäischen Konzernniederlassungen von England (dann bald ohne Schottland und Nordirland?) nach Kontinentaleuropa geben. Arbeitsplätze in Großbritannien werden wohl verloren gehen und in die stabilen Mitgliedsländer der EU verlagert werden.

Zuvorderst betroffen wird die Finanzindustrie sein, hinzu kommen sicher Handel und nicht zuletzt asiatische und US-amerikanische Industrieunternehmen, für die das Vereinigte Königreich bis dato der ideale Brückenkopf in die EU war. Diese Tage sind nun gezählt.

Profitieren werden vor allem Irland, die Skandinavier, die BENELUX-Staaten, Frankreich und Deutschland, da nur diese über eine mindestens vergleichbare Infrastruktur und Bildungsniveau verfügen. Allerdings – in keinem der kontinentalen EU-Staaten wird von Hause aus Englisch gesprochen, und keines ist per se so global orientiert wie „Cool Britannia“ – es zumindest dereinst einmal war.

Dadurch bieten sich interessante Chancen vor allem im Bereich Banken, hier Frankfurt,, auch japanische Unternehmen betreffend – alles rund um Düsseldorf – und in Bezug auf die Automobilindustrie die Regionen Stuttgart und München. Hierbei geht es nicht nur um Unternehmensneuansiedlungen, sondern auch die Zulieferindustrie, damit der deutsche Mittelstand, sollte profitieren.

Als gebratene Tauben werden diese Möglichkeiten uns aber nicht in den Mund fallen. Vielmehr bedarf es einer aktiven Marktbearbeitung und auch Personalpolitik. Denn die notwendigen Ressourcen, nicht zuletzt die Fach- und Führungskräfte müssen auch parat stehen.

Über ihre Fach- und Managementkompetenzen hinaus wird es dann weit mehr als zuvor auch auf Soft Skills ankommen, allen voran interkulturelle Kompetenz.

Wenn unsere Wirtschaftsregionen, Unternehmen und Arbeitnehmer ihre Karte richtig spielen, können wir also dem Umglück noch etwas Positives abgewinnen – und die volkswirtschaftlichen Verluste, die der Brexit bewirken wird, einigermaßen kompensieren.

So ist es halt: „Des einen Freud, des anderen Leid“. Doch so miserabel der Brexit auch ist, aus Gefühlsduselei sollte man keine Chancen ziehen lassen. Fakt ist, dieser Wettbewerb ungekannter Art ist bereits seit dem 23. Juni eröffnet. Wer nun vorn dabei sein will, sollte fix eine Strategie entwickeln und starten. Letztlich gilt auch für den Brexit die Weisheit Joseph Schumpeters: in der Zerstörung liegt schöpferische Kraft. Geht die eine Tür zu, öffnet sich eine andere.