Automatisierung und Digitalisierung vernichten Arbeitsplätze – oder nicht?

Automatisierung und Digitalisierung vernichten Arbeitsplätze – oder nicht?

Die vierte industrielle Revolution hat vor über einem Jahrzehnt bereits begonnen, doch so langsam erst wird sie allgemein spürbar und dringt ins öffentliche Bewußtsein. Die bange Frage, die sich viele Erwerbstätige stellen: Ist auch mein Job in Gefahr?

Kaum überraschend ist das Bild dazu uneinheitlich: In Studien reicht das Spektrum von 20% bis hin zu 80% aller bis dato menschlichen Tätigkeiten, die bis rund 2025 durch Robotor, Software und Künstliche Intelligenz ersetzt werden (können). Die renommiertesten – und die meisten – Untersuchungen gehen von 20 – 50% aus.

Von der Politik erfährt man dazu nichts Substantielles. Außer Beschwichtigungen. Die Behauptung, oder besser: Hoffnung, lautet, wie in den vorangegangenen Umbrüchen in der Produktionstechnologie würden einfachere Tätigkeiten wegfallen, aber durch höherwertige und damit sogar besser bezahlte Aufgaben ersetzt.

Vergessen wird dabei leider nur, dass in der Industriellen Revolution I-III zumeist nur physische menschliche Arbeitskraft auf Maschinen übertragen wurde. Dadurch kam es tatsächlich zu erheblichen Verbesserungen für Arbeiter, deren Belastung und Gesundheitsrisiken so erheblich reduziert werden konnten.

Nun aber wird erstmals die menschliche Geisteskraft, d.h. die Erinnerungs-, Erkennungs- und Entscheidungsfähigkeit auf Roboter übertragen. Betrachtet man die rasante Entwicklung der AI, der künstlichen Intelligenz, liegt der Schwerpunkt sogar nicht mehr auf der körperlichen, sondern der intellektuellen Leistung. In Gefahr ist damit nicht mehr „nur“ der Fabrikarbeiter, sondern kaufmännische Angestellte ebenso wie viele Bank-, Versicherungs- oder sogar Beratungsberufe.

In früheren Zeiten konnten in ihren alten Berufen obsolet gewordene Arbeitnehmer weiter- oder umqualifiziert werden, doch angesichts die neuartigen Computer und immer komplexere Softwareanwendungen wird da für einige die Luft dünn werden.

Es ist also kein Wunder, dass die Politik das Thema herunterspielt. Der soziale Sprengstoff, der entsteht, wird enorm gefährlich, vergleichbar vielleicht mit den Spannungen zum Ende von Feudalismus und Absolutismus. Denn immer effizientere Produktion mit immer weniger Arbeitskräften bedeutet entsprechende steigende Einkommen von Shareholdern und Spitzenkräften. Die soziale Schere könnte auseinandergehen, bis ihre Ende auf einer Geraden liegen.

Als Reaktion wäre der G20-Gipfel im Hamburg da nur ein kleiner Appetizer, ein laues Sommerlüftchen im Vergleich zu dem drohenden Sturm.

Das Hoffnungskonzept, das von CEOs bis zu Sarah Wagenknecht dazu durch die Lüfte wabert heißt „Bedingungsloses Grundeinkommen“ oder, auf Englisch gewohnt kurz: Basic Income. Vulgo: Brot und Spiele: reloaded.

Ob aber Massen von Menschen tatsächlich mit Wohnung, Essen und RTL2 glücklich werden?

Und ob es uns beruhigen soll, dass dies kein exklusiv deutscher, europäisches oder westliches Problem ist? Denn selbst das chinesische Unternehmen FOXCONN, mit 1,3 Millionen Mitarbeitern größter Arbeitgeber der Welt, uns besser bekannt als Handy-Produzent für Apple & Co, baut eigene Fertigungsroboter und ersetzt mit diesen bereits 60.000 Arbeiter.

All diesen Fragen werde ich an dieser – und anderer Stelle – in loser Folge aber doch intensiv nachgehen. Aus Unternehmenssicht und aus gesellschaftlicher Perspektive.

Wohlgemerkt, auch ich habe keine Lösung, analysiere aber wenigstens das Problem.