Ärmer als die Eltern?! McKinsey zur steigenden Ungleichheit und erodierenden Mittelschicht

Ärmer als die Eltern?! McKinsey zur steigenden Ungleichheit und erodierenden Mittelschicht

Ärmer als die Eltern? Ein in der westlichen Welt seit dem Weltkrieg II undenkbarer Zustand. Aber offenbar seit den letzten 10-15 Jahren Realität – so stellt es McKinsey in einer spannenden Studie fest, die in die gleiche Kerbe schlägt wie das DIW für Deutschland.

Die Mehrheit der Haushalte in den meisten Industriestaaten – von 70% in den Niederlanden und Großbritannien bis 97% in Italien, hatte 2015 ein geringeres Arbeitseinkommen als 2006. In den USA und Schweden wurden die Bruttoeinkommensverluste noch durch sinkende Steuern und Abgaben aufgefangen, aber gerade in Ländern wie Italien stieg die Belastung sogar noch.

Der Aufstieg von neuen Parteien an den politischen Rändern und von populistischen Agitatoren kann deshalb kaum verwundern. Da gerade die gesellschaftliche Mitte in den Industriestaaten zwar die größte Bevölkerungsgruppe darstellt, aber – im Vergleich zu Partikular- und Randgruppen – über praktisch keine Organisationsmacht verfügt, bleibt ihnen außer der Wahl von Protestparteien kaum eine andere Wahl. Fragt man die Wähler respektive Unterstützer von Trump, Boris Johnson, Podemos, Syriza, Geert Wilders, FPÖ oder AfD nach ihren Motiven, so wissen sie genau, dass sie von diesen (Schmalspur)Verführern keine Verbesserung zu erwarten haben. Nein, es geht schlicht um Frust und bewussten und zielgerichteten Protest gegen die derzeit Herrschenden.

Das Positive daran: Die Mittelschicht wacht auf und sendet einen zivilisierten, demokratischen Hilferuf an die Politik, zu sachgerechter, fairer, unideologischer, vernunftgeleiteter und zugleich mutiger Politik zurückzukehren. Der Schlüssel dazu liegt also in Berlin, Paris, London, Washington, Rom, Madrid und Athen. Ob jedoch die, die dort derzeit residieren, die Richtigen sind?

Nur selten in der Geschichte ist es jenen, die den Karren in den Dreck gefahren haben, auch gelungen, ihn wieder herauszuziehen.