10 Erfolgsfaktoren für Ägyptens „Neuen Suezkanal“

10 Erfolgsfaktoren für Ägyptens „Neuen Suezkanal“

Am 06.08. feierte ganz Ägypten die Fertigstellung des zweiten, „neuen“ Suezkanals, und zwar die pünktliche Fertigstellung! Innerhalb des Budgets! (give and take)

Das Großbauprojekt stellt keinen vollständigen zweiten Kanal dar, sondern besteht aus einer neuen Bypass-Strecke, die die Kapazität des Kanals praktisch verdoppelt und Wartezeiten für Großschiffe auf wenige Stunden reduziert. Außerdem wurde der alte Kanal partiell erneuert, vertieft und erweitert. Besondere Hoffnungen setzt Ägypten in die zusätzlich neu aufgebaute logistische Infrastruktur.

Warum der ägyptische Erfolg gerade für Deutschland so spannend ist? Nun, kennen Sie ein öffentliches Bauprojekt in Deutschland, das in der jüngeren Zeit bugetgemäß und innerhalb seines Zeitrahmens abgeschlossen wurde?

Eine schöne Koinzidenz ist, dass die für die Misere des Berliner Pleiten, Pech und Pannen-Flughafens in wesentlichen Teilen wohl mitverantwortliche Imtech Deutschland GmbH am selben Tag Insolvenz angemeldet hat.

Was waren die Erfolgsfaktoren des ägyptischen Großprojekts und was können wir lernen?

Nun, die Übernahme der Regierungsverantwortung durch das Militär möchte ich nicht proklamieren.

Interessante und merkliche Unterschiede zu Deutschland aber sind:

  1. Präsident Sisi hat exakt einem Jahr die Fertigstellung und feierliche Eröffnung für den 06.08.2015 versprochen.
  2. Er verkürzte die vorgesehene Bauzeit von drei Jahren auf ein Jahr verkürzt.
  3. Er machte aus dem einem Bauprojekt eine Vision und ein Objekt nationalen Stolzes.
  4. Er verband damit sein politisches Schicksal mit dem Erfolg des Projekts.
  5. Die Koordination des Projekts wurde an einen hochrangigen Admiral, der direkt dem Präsidenten berichtete übertragen. Nicht an einen irgendeinen Lenkungskreis, der nur dazu taugt, Psychologen als Studienobjekt für Verantwortungsdiffusion zu dienen (s. BER).
  6. Ein Gutteil der Investition wurde durch eine staatliche Anleihe finanziert, die nur von Ägyptern gezeichnet werden konnte. Diese wurde so gestückelt, dass auch Menschen mit niedrigstem Einkommen investieren konnten. Die Anleihe war innerhalb weniger Tage ausverkauft.
  7. Der Großteil der beteiligten Baufirmen war einheimisch, ausländisches Spezialwissen wurde nur da eingekauft, wo es unbedingt nötig war.
  8. Es gibt einige ökologische Bedenken gegen den Suezkanal und erst recht gegen dessen deutliche Erweiterung. Diese führten aber zu keiner zeitlichen Verzögerung.*
  9. Innenpolitisch schlau sind die neuen Tunnel unter dem Kanal, die die Sinai-Halbinsel bald besser mit dem ägyptischen Festland verbinden.
  10. Ägypten hat den Erfolg krachend gefeiert – ein Ägypter nannte es stolz „An Event of a lifetime“.

Punkt 5 kann ich mir für Westeuropa nicht vorstellen, aber der eine oder andere der übrigen hat seinen Charme. Oder nicht?

 

* Nebenbei bemerkt, sind die schädlichen Auswirkungen auf Fauna und Flora des Mittelmeeres belegt, aber ob es ökologisch besser wäre, die Schiffe um Kap Horn fahren zu lassen, kann bezweifelt werden. Wer meint, es sollten besser keine Schiffe mehr von Asien aus nach Europa fahren, soll bitte dann auch so konsequent sein, und in seinem Leben auf alle Waren verzichten, die auf dem Seeweg aus Asien zu uns kommen… da wird wenig an Klamotten und Elektronik überbleiben, fürchte ich.

Leif Erik Wollenweber ist Wirtschaftsphilosoph mit einem Faible für die Vernetzung der Themen Strategie, Politik, Leadership und Change. Als Sozial- und Politikwissenschaftler unterrichtet er Fächer der Business Administration an der FOM Hochschule für Oekonomie und Management und der Hogeschool Venlo. Als unorthodoxer Ratgeber findet Leif Erik Wollenweber effektive Lösungen für Strategie- und Managementprobleme. Von seinen Kunden besonders gefragt ist seine Fähigkeit zur Vermittlung von strategischem und unternehmerischem Denken. Seine Kompetenz basiert auf seiner mehrjährigen Führungserfahrung, vielfältigen Branchenkenntnissen, seinem interdisziplinären Fachwissen als Managementforscher und seiner seit 2009 erfolgreichen Tätigkeit als Unternehmensberater und Business Trainer.

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