Die neuen Regeln ehrgeiziger Start-ups

Die neuen Regeln ehrgeiziger Start-ups

Nach der Gründung kommt das Wachstum. Das ist die Idee eines ehrgeizigen Start-ups. Ist die erste Phase geglückt, muss dies jedoch nicht für die nächste gelten, denn hier gelten andere Regeln.

Genau deshalb bleiben viele Jungunternehmen auf den zunächst errungenen Erfolgen hängen und entwickeln sich schlimmstenfalls zu prekären Existenzen, die Einzelselbständigen gerade das Existenzminimum sichern.

Oft sind es der Gründer und seine anfängliche Stärke selbst, die später im Wege stehen. Die hohe Qualität, die er anfangs in allem erreicht, was er beginnt, verleitet ihn, fortan weiterhin immer alles selbst zu erledigen. Dadurch blockiert er aber nur das Wachstum seines Unternehmens. Wenn alle Prozesse und Entscheidungen über ihn laufen, wird er zum Flaschenhals seines Unternehmens.

In der Wachstumsphase ist der Unternehmer statt dessen nicht selbst als sein bester Angestellter arbeiten. Sondern er muss sein Unternehmen weiter entwickeln, während er möglichst alle operativen Tätigkeiten an qualifizierte Andere überträgt. Deshalb sind visionäre Führung, Delegation und strategische Planung nun bedeutende, teils gänzlich neue Kompetenzen, die nun vom Unternehmen gefordert ist. Es bedeutet auch, die richtigen Mitarbeiter und Outsourcingpartner zu finden und die Aufgaben so zu delegieren, dass sie die gewünschten Ergebnisse erreichen – oder gar übertreffen. Ohne allerdings den Dienstleistern genau vorzuschreiben, wie sie diese Ziele zu erreichen haben, denn das würde den Flaschenhals gleich wieder verengen.

Das Ganze hat zudem eine strategische Komponente. Denn hat das Unternehmen ein innovatives Geschäftsmodell oder das Produkt einen echten USP, bleibt dieser ohne ausreichendes Wachstum unterhalb der Wahrnehmungsschwelle des Marktes, oder, vermutlich schlimmer noch, wird von potenteren Konkurrenten kopiert und ist danach als Wettbewerbsvorteil perdu.

Notwendig ist deshalb zudem eine durchaus aggressive Wachstumsfinanzierung. Hier nur auf Eigenkapital und Cash Flow zu setzen wäre, entgegen aller traditionellen kaufmännischen Solidität, oft schlichtweg falsch. Amazon, Google, Facebook wären Klitschen geblieben oder längst untergegangen, ohne eine großzügige Finanzierung nach dem Motto: Klotzen statt kleckern!

Die (neuen) Erfolgsfaktoren richtig erfolgreicher Jungunternehmen sind also visionäre Strategie, Delegation und Mut zur aggressiven Finanzierung.

Leif Erik Wollenweber ist Wirtschaftsphilosoph mit einem Faible für die Vernetzung der Themen Strategie, Politik, Leadership und Change. Als Sozial- und Politikwissenschaftler unterrichtet er Fächer der Business Administration an der FOM Hochschule für Oekonomie und Management und der Hogeschool Venlo. Als unorthodoxer Ratgeber findet Leif Erik Wollenweber effektive Lösungen für Strategie- und Managementprobleme. Von seinen Kunden besonders gefragt ist seine Fähigkeit zur Vermittlung von strategischem und unternehmerischem Denken. Seine Kompetenz basiert auf seiner mehrjährigen Führungserfahrung, vielfältigen Branchenkenntnissen, seinem interdisziplinären Fachwissen als Managementforscher und seiner seit 2009 erfolgreichen Tätigkeit als Unternehmensberater und Business Trainer.