2016: Wir schaffen das – wie?

2016: Wir schaffen das – wie?

Das vergangene Jahr wird in Erinnerung bleiben. Nur in welcher ist noch nicht klar. Das hebt es heraus. Meist fällt es mir leicht, zu Sylvester Bilanz zu ziehen. Das ist diesmal anders, persönlich und auf der großen Weltbühne. Zählbares gab es nicht viel, aber viel wurde gesät und es ist unklar, was daraus erwächst. Es kann Gutes sein, Ungutes, oder beides zugleich. Unser Urteil werden wir diesmal erst sehr viel später fällen.

Drei Dinge blieben haften:

  • Mit Helmut Schmidt starb der letzte verbliebene deutsche Staatsmann.* Seine herausragende Bedeutung sagt alles über die, die nach ihm kamen, ganz besonders über die, die jetzt unsere Geschicke bestimmen. Für 2016 erhoffe ich, dass neue Menschen vom Format eines Schmidt gesellschaftliche Verantwortung übernehmen.
  • Deutschland hat eine demokratische Krise. Der öffentliche Diskurs war im Vergleich nie stark ausgeprägt, die Rolle des Bundestag als zentraler Ort der Disputation der gesellschaftlichen Themen ist seit der Kanzlerschaft  Kohls im Niedergang begriffen und die EU beantwortet mit beängstigender Dynamik Probleme, die durch ihre Institutionen erst geschaffen wurden mit einer immer stärkeren, fragwürdig legitmierten Kompetenzanhäufung. Die Euro- und nun die Syrienkrise übersteigen in ihrer Komplexität längst das Begriffsvermögen auch der Schlaueren im Lande. Und der Deutsche grummelt, hat aber aus schwer fassbaren Gründen Angst, öffentlich Zweifel, Kritik, Bedenken zu äußern, um damit eine offene Abwägung der Argumente zu erzwingen. Denn die findet nicht statt. Auf „alternativlos“ folgte „wir schaffen das“ und schließlich „Deutschland ist stark“. Von Staatenlenkern sind schwierige Entscheidungen, Führungsstärke und Visionäres zu erwarten, doch begründet muss es sein – und werden! Für 2016 erhoffe ich, dass wir Mut zum Disput finden, verstanden als den Wettbewerb um die besten Argumente. Und dass wir überhaupt erfahren, w i e die zweifelsohne großen Herausforderungen gemeistert werden sollen.
  • In der Weltpolitik haben sich einige unmögliche Koalitionen ergeben. Russland mit „dem Westen“ gegen den IS, teils mit, teils gegen Baschar Al Assad. Iran und die USA, ohne wesentliche Einbeziehung Israels. Saudi-Arabien mit einer Phalanx sunnitisch-arabischer Staaten gegen den Terrorismus. Diese neue Unübersichtlichkeit macht schwindelig. Es kann Gutes dabei herauskommen, aber das Gebräu kann genausogut in eine unheilvolle Mischung kippen. Für 2016 erhoffe ich, dass aus all den Zweckbündnissen der (Wider)Willigen dauerhafte Kooperationen der Vernunft werden.

Und überdies wünsche ich Ihnen allen ein frohes Neues Jahr – möge es ein besonders glückliches für Sie werden!

 

* Ausnahme vielleicht: Hans Dietrich Genscher

Leif Erik Wollenweber ist Wirtschaftsphilosoph mit einem Faible für die Vernetzung der Themen Strategie, Politik, Leadership und Change. Als Sozial- und Politikwissenschaftler unterrichtet er Fächer der Business Administration an der FOM Hochschule für Oekonomie und Management und der Hogeschool Venlo. Als unorthodoxer Ratgeber findet Leif Erik Wollenweber effektive Lösungen für Strategie- und Managementprobleme. Von seinen Kunden besonders gefragt ist seine Fähigkeit zur Vermittlung von strategischem und unternehmerischem Denken. Seine Kompetenz basiert auf seiner mehrjährigen Führungserfahrung, vielfältigen Branchenkenntnissen, seinem interdisziplinären Fachwissen als Managementforscher und seiner seit 2009 erfolgreichen Tätigkeit als Unternehmensberater und Business Trainer.

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